Meisterkurs 16.09. - 20.09.2020

20.09.2020
Der Meisterkurs in Halberstadt soll Nachwuchs-SängerInnen und Profis die Gelegenheit bieten, sich in der Vokalmusik ab 1950 fortzubilden. Im Gegensatz zu allen anderen Kunst-Studiengängen, in denen aktuelle Kunst den bedeutendsten Schwerpunkt in der Ausbildung bildet, wird aktuelle Musik in der musikalischen Ausbildung beinahe gänzlich ausgespart. Dies ist eine unbegreifliche, schwerwiegende Lücke, denn es gibt ein breites
Berufsfeld für Neue Musik, mit Festivals, Konzertserien und Musiktheatern. Meisterkurse für zeitgenössische Vokalmusik werden ebenfalls wenig angeboten. Der Kurs in Halberstadt ist darum von großer Bedeutung. Im Jahr 2018 waren 10 TeilnehmerInnen aus Europa, Japan und den USA anwesend, die aus einer größeren Anzahl an BewerberInnen ausgewählt wurden. Für den Meisterkurs 2020 wurden in diesem Jahr Covid-19 bedingt weniger TeilnehmerInnen zugelassen. Im Vorfeld bestand jedoch wieder großes Interesse an einer Teilnahme. Für InteressentInnen aus dem Ausland gab es leider kaum Möglichkeiten der Teilnahme. Somit kamen die meisten TeilnehmerInnen aus Deutschland und eine Teilnehmerin aus Tschechien. Alle geplanten Veranstaltungen konnten stattfinden. Es mussten jedoch Obergrenzen für die Besucherzahlen eingeführt werden. Im Veranstaltungssaal konnten unter Berücksichtigung des Mindestabstandes und Mund-Nasen-Bedeckung die Konzerte aufgeführt werden. Die im Anschluss geplanten Diskussionsveranstaltungen konnten im Freien abgehalten werden, damit auch hier die Corona Maßnahmen griffen. Die Auftaktveranstaltung des Meisterkurses war am 15. September 2020 mit einem öffentlichen Konzert im Cage-Haus. Das Konzert wurde durch die DozentInnen: Sarah Maria Sun (Gesang), Akiko Okabe (Klavier) und Christoph Ogiermann (Stimme/ Improvisation) gegeben. Die anschließende Podiumsdiskussion „Angst und Ausdruck“ fand im Garten des Cage-Hauses statt. Im demselben Garten fanden auch die meisten Mittag- und Abendessen statt, die entweder von Ute Schalz und weiteren MitarbeiterInnen als gemeinsame Mahlzeiten in wunderschöner Atmosphäre vorbereitet wurden. TeilnehmerInnen konnten selbstverständlich auch ganz individuell im Haus oder Garten essen, lesen, lernen oder sich erholen.

Vom 16. September bis 20. September 2020 probten die Teilnehmer unter der Leitung von Sarah Maria Sun (Gesang), instrumental begleitet durch Akiko Okabe (Klavier), Ludwig Faust (Geige) und Christoph Ogiermann (Stimme, Improvisation) verschiedene Stücke aus Konzert- und Musiktheater-Repertoire. Darunter waren Lieder, Arien, Kammermusikstücke und Solo-Stücke, in großer ästhetischer Bandbreite. Alle TeilnehmerInnen hörten tagsüber bei ihren KollegInnen als passive „Zaungäste“ zu, wenn sie nicht gerade selber Unterricht hatten, um so viel Informationen und Lernstoff wie möglich aufzunehmen. Die Unterrichte rangierten klassischer Basis-Gesangstechnik über zeitgenössische Spezialtechniken, Schauspiel-Basis-Unterricht, Bewegungs- und Atemkoordination bis zur dramaturgischen, konzeptuellen Analyse. Die Atmosphäre war enorm freundlich und offen, die gemeinsamen Pausen im Garten oder auf dem Balkon des Cage-Hauses waren oft gefüllt mit weiterführenden Gespräche zu den Ausbildungen und Entwicklungen der einzelnen Künstlerpersönlichkeiten. Das Wettbewerbskonzert fand am 20. September 2020 statt. Erneut waren alle Coronabedingt möglichen Plätze im Cage-Haus besetzt. Den ersten Preis gewann die Sopranistin Siddhi Lagruta. Den 2. Preis erhielt die Mezzosopranistin Ema Katrovas, der Dritte Preis wurde aufgeteilt auf Christine Süssmuth und Tobias Hechler. Einen ausführliche Beschreibung über den ganzen Kurs findet man übrigens im Blog von Ema Katrovas hier. Im Anschluss an den Wettbewerb konnten alle Teilnehmer im Einzelgespräch mit den Juroren die Entscheidung evaluieren. Im Garten des Cage-Hauses war Zeit für Gespräche zwischen Gästen und Künstlern. Der Kurs wurde in den Räumlichkeiten der John-Cage-Orgel-Stiftung abgehalten. Die Kosten für den Kurs (Lehrhonorare, Preisgelder, Organisationskosten) wurden von der Karin und Uwe Hollweg Stiftung getragen. Die veranschlagten Kosten des Finanzierungsplans wurden eingehalten.