Wer war John Cage?

John Cage

John Cage wurde am 5. September 1912 in Los Angeles geboren. Sein Vater war Techniker, Erfinder und U-Bootkonstrukteur, seine Mutter Journalistin bei der Los Angeles Times und nahm ihn mit fünf Jahren in ein Symphoniekonzert mit, dem er zwei Stunden lang völlig versunken lauschte. Viel interessanter aber waren für ihn schon damals Umweltgeräusche. In der vierten Klasse bekam er erstmals Klavierunterricht. Als bester Schüler hielt er eine Abschlußrede über eßbare Pilze. Am Pomona College in Claremont studierte er ein Jahr katholische Theologie und fing an Gedichte und Prosa zu schreiben.

1930 übersiedelte er nach Paris um Architektur und Klavier zu studieren. In diese Zeit fallen auch seine ersten Versuche als Maler. Nach anderthalb Jahren kehrte Cage in die USA zurück und studierte bei Richard Buhling und Adolphe Weiss Komposition und bei Henry Cowell, als dessen Assistent, Harmonielehre und Kontrapunkt. Wahrscheinlich 1935 erhielt er kurze Zeit unentgeldlichen Unterricht bei Arnold Schönberg.

1935 heiratete er die Buchbinderin Xenia Kashevaroff. 1938 ging Cage an die Cornish School of Music in Seattle, gründete ein Schlagzeugquartett und gab Konzerte. Er komponierte Stücke für Schlagzeug, 1939 eine der ersten elektroakustischen Kompositionen der Musikgeschichte und arbeitete mit dem präparierte Klavier. In Seattle traf er seinen späteren Lebenspartner, den Tänzer und Choreographen Merce Cunningham. Nach einer weiteren Lehrtätigkeit an der Chicago School of Design lebte und arbeitete ab 1942 in New York.

1946 begann Cage seine Studien zum Zen-Buddhismus bei Daisetz Teitaro Suzuki. Seit Anfang der 1950er Jahre experimentierte er bei seinen Kompositionen mit Zufallsoperationen und dem chinesischen Orakelbuch I Ging. 1952 veranstaltete er mit Cunnigham und dem Maler Robert Rauschenberg im Black Mountain College das erste Happening der Kunstgeschichte. Im gleichen Jahr war die Uraufführung des wahrscheinlich berühmteste Werk von Cage, 4‘33‘‘, das stille Stück, in Woodstock mit David Tudor am Klavier.

Konzerte, Tanztourneen und Vorträge in den USA folgten immer wieder Reisen und Auftritte, vielfach mit Cunningham und Tudor, in Europa, u.a. bei den Donaueschinger Musiktagen, den Internationalen Ferienkursen für neue Musik in Darmstadt und dem WDR in Köln, aber auch in Japan und Indien. John Cage komponierte hunderte Stücke, schrieb seine erste Oper, machte einen Film und mehrere Hörspiele, malte, zeichnete und radierte, schrieb Bücher mit Essays und Mesostichen und gab Interviews. Er beschäftigte sich mit Erik Satie, Henry David Thoreau und James Joyce. Er wurde geehrt mit Retrospektiven, Ausstellungen, Akademiemitgliedschaften und akademischen Würden. Er spielte Schach mit Marcel Duchamp, gründete die New Yorker Gesellschaft für Pilzkunde, gab nach einem schweren Gelenkleiden das Kettenrauchen auf und ließ sich von Yoko Ono zur makrobiotischen Küche verführen.

Kurz vor seinem 80. Geburtstag am 12. August 1992 starb John Cage in New York. Er war ein sanfter Anarchist, er konnte, nach Hein-Klaus Metzger „ …Töne, Geräusche, Pausen, selbst die Modi ihrer technischen Hervorbringung sie selber sein lassen, nicht eingebunden in irgendwelche Zwecke oder heteronomen Verfügungen, hinter denen sich allemal Herrschaft verbirgt.“

Die Idee von eigenen Vorlieben und Abneigungen abzusehen und alle Individuen, Lebewesen, Steine und Klänge als eigene Zentren gleichen Seinsrechts zu betrachten, hat Hilfe geleistet, die Fähigkeit zu entwickeln, das den einzelnen künstlerischen Materialien und Verfahrensweisen je eigene Wesen herauszufinden und auszustellen.

nach: Reinhard Oelschlegel in "Komponisten der Gegenwart"